Kate Chopin – The Awakening
- Hannah Wolf
- 19. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Inhalt: Amerikas Süden im 19. Jahrhundert: Auf Grand Isle, dem Sommeraufenthalt wohlhabender Familien aus New Orleans, entdeckt die achtundzwanzigjährige Edna Pontellier, daß sie zur aufopfernden Mutter und Dame der Gesellschaft nicht taugt. Kompromisslos begibt sie sich auf die Suche nach ihrem unter Konventionen verschütteten Ich.
Eigene Meinung: Ich legte das Buch, nachdem ich es beendet hatte, zur Seite und konnte nur denken: “Welch ein schönes und gutes Buch“. Leider dachte dies zu Zeiten der Originalausgabe niemand. Die Zeit war wohl einfach noch nicht reif, für diese Form der Literatur und vor allem für dieses Thema.
Es geht in diesem Buch wirklich um ein Erwachen. Das Erwachen einer Frau aus ihren Konventionen in welchen sie gefangen ist. Es geht aber auch um den inneren Kampf zwischen Pflichtgefühl anderen gegenüber und der Pflicht gegenüber sich selbst, das Beste aus seinem Leben zu machen, es zu genießen und glücklich zu sein. Das Befreien von Erwartungshaltung anderer und dem Finden der eigenen Identität konnte niemand verstehen. Das Buch wurde von Rezensenten zerrissen und die Autorin hat sich bis zu ihrem Tod davon nicht mehr erholt, denn sie schrieb danach nicht mehr. Ich kann nur sagen; welch ein Verlust für uns Leser.
Kate Chopin hat hier eine ruhige, aber dennoch sehr bewegende Geschichte zu Papier gebracht. Ihre Beschreibungen von Emotionen, innerer Zerrissenheit und der umgebenden Natur haben etwas von einem impressionistischen Gemälde. Nicht alles muss direkt benannt, angesprochen und klar umrissen werden, denn es steht so viel zwischen den Zeilen, dass der Leser diese Dinge erkennt und versteht. Die Figur der Edna ist tragisch, liebenswürdig und leidenschaftlich. Es fiel mir leicht mich in diese Person hineinzuversetzen und in vielerlei Hinsicht habe ich sehr oft eigene Empfindungen und Gedanken wiedererkannt. Das alles gab mir ein Gefühl von Dankbarkeit, in der heutigen Zeit zu leben, in welcher sich eine Frau nicht mehr rechtfertigen muss, weil sich ehrlich und authentisch ist. Sie muss sich auch nicht mehr entscheiden zwischen Kindern und einem erfüllten Leben, denn zum Glück ist es uns heute vergönnt beides zu erhalten und zu leben. Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass dieses Buch aktuell ist, was sich schon alleine darin beweist, dass dieser Roman bis in unser Jahrhundert überlebt hat und weiterhin verlegt wird.
Dieses Buch entpuppte sich als ein Schatz, der zu lange verborgen in meinem Buchregal lag.




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